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Menschenrechte in Tibet

Jahresbericht 2011: Die Menschenrechtslage in Tibet

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Die Reihe der Selbstverbrennungen tibetischer Mönche, Nonnen und Laien kam nicht von ungefähr: Seit den Massendemonstrationen von 2008 kontrolliert die chinesische Regierung das Leben der Tibeter noch viel rigoroser als zuvor. Die Selbstverbrennungen sprechen Bände über die qualvolle Situation, in der sich die Tibeter auf dem gesamten Hochland befinden.

 

Zu diesem Schluß kam das Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie in seinem Jahresbericht 2011, der am 23. Januar vorgestellt wurde. Trotz der Vielzahl der Selbstverbrennungen weist die chinesische Regierung jegliche Verantwortung von sich und geht mit noch heftigeren Repressionsmaßnahmen gegen das tibetische Volk vor. Sie verletze grob ihre internationalen Menschenrechtsverpflichtungen, heißt es in dem Bericht.

 

Der Bericht warnt davor, daß, wenn die chinesische Regierung die dem tibetischen Volk auferlegten Einschränkungen nicht lockert, nicht das Gespräch mit den Tibetern sucht und sich ihre Beschwerden nicht anhört, befürchtet werden muß, daß für die Tibeter die Selbstverbrennungen der einzige Weg bleiben, um ihrer Verzweiflung Ausdruck zu verleihen.

 

Während der Preis dafür, seine Rechte in Tibet auszuüben, ungeheuer groß sein mag, wird immer deutlicher, daß der Preis, seine Existenz unter dem chinesischen Regime fortzusetzen, noch viel größer ist.

 

„Die 17 feurigen Proteste, die zumeist tödlich endeten, darunter auch der Fall des Mönches Tapey, der sich 2009 in Brand steckte, werfen wichtige Fragen über die Natur der chinesischen Herrschaft in Tibet auf“, sagte die Direktorin des TCHRD, Tsering Tsomo. „Die chinesische Regierung täte gut daran, dies bald einzusehen. Wenn ein Volk, das sie regiert, als einzigen Ausweg den Tod wählt, dann sollte sie erkennen, daß sie den Schmutz vor ihrer eigenen Tür wegkehren muß, ehe sie ihre Charme-Offensive, sich als globale Soft Power zu präsentieren, fortsetzt.“

 

In dem Maße, wie die chinesische Regierung mit ihrer ungeheuerlichen Verletzung der Rechte und Freiheiten der Tibeter fortfährt, wächst der Widerstand bei dem tibetischen Volk, wie es sich an den beharrlichen Protestaktionen und Selbstverbrennungen ganz deutlich zeigt. Die Regierung in Peking hat zahlreiche Gelegenheiten versäumt, auf die Tibeter zuzugehen und sich mit ihren Sorgen zu befassen. Sie will nicht anerkennen, daß sie es letzten Endes ist, die die feurigen Proteste entfacht hat. Diese Form öffentlichen Protestes hat nun sogar die Autonome Region Tibet und die Provinz Qinghai ergriffen, weil die chinesischen Behörden nichts als Gewalt kennen, um die Stimme der Tibeter zu unterdrücken.

 

Die chinesische Regierung sollte einsehen, daß nackte Gewalt und Polizeiwillkür diesen Teufelskreis von Repression und Widerstand nur noch mehr anheizen und niemandem nutzen, am allerwenigsten der Verwirklichung von Pekings vielgepriesenen Zielen der Harmonie und Stabilität.

 

Der Bericht wirft auch ein Licht auf die Lage der Religionsfreiheit, er befaßt sich mit dem immer engmaschigeren Netz der staatlichen Zensur, mit der Bildung und dem Recht auf die Muttersprache, mit der Folter von Festgenommenen und politischen Gefangenen, dem Verschwindenlassen von Personen, der verfehlten Entwicklungspolitik, der Zerstörung der Umwelt und der anhaltenden Verletzung der bürgerlichen und politischen Rechte des tibetischen Volkes.

 

Die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle politischer Gefangenschaft in Tibet liegt dem TCRHD zufolge bei über 830, von denen 403 regulär von Gerichtshöfen verurteilt wurden. Alleine im Jahr 2011 (bis zum 15. Dezember) wurden nach dem Kenntnisstand des TCHRD 230 Tibeter festgenommen und inhaftiert.

 

Der Jahresbericht 2011 in englischer wie auch in tibetischer Sprache kann demnächst von der Website des TCHRD heruntergeladen werden.

Sen. Rubio Discusses Human Rights on the Senate Floor

Die Welle von Selbstverbrennungen von Mönchen und Nonnen in Tibet zeugt auf erschütternde Weise von der tiefen Verzweiflung und Unzufriedenheit, die viele Tibeter in ihrer Heimat empfinden. Nach allem, was wir wissen, liegt die Hauptursache dafür in der massiven Einschränkung des Rechts auf freie Religionsausübung, wie es in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert ist:

 

„Jeder hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht schließt die Freiheit ein, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Kulthandlungen zu bekennen.“

50 Jahre Menschenrechte Bot­schaft Sei­ner Hei­lig­keit des Dalai Lama zum Anlass des 50. Jah­res­ta­ges der Uni­ver­sel­len Erklä­rung der Menschenrechte

“Es ermu­tigt mich in höchs­tem Masse, von der welt­wei­ten Bege­hung des 50. Jah­res­ta­ges der Uni­ver­sel­len Erklä­rung der Men­schen­rechte zu hören. Im wei­te­ren freue ich mich, dass das Büro des UN-Hochkommisars für Men­schen­rechte eine welt­weite Ver­tei­lung des Tex­tes zur Men­schen­rechts­er­klä­rung vor­an­treibt, so dass gewöhn­li­che Leute die ihnen zuste­hen­den Rechte voll und ganz ver­ste­hen kön­nen. Men­schen­rechte sind von uni­ver­sel­lem Inter­esse, weil es in der Natur aller Men­schen liegt, in Frei­heit und Würde leben zu wol­len; und die Men­schen haben ein Recht, dies zu erlan­gen. Ob wir es mögen oder nicht, wir alle wur­den in diese Welt gebo­ren als Teil einer gros­sen mensch­li­chen Fami­lie. Reich oder arm, gebil­det oder unge­bil­det, zu die­ser oder jener Nation gehö­rend, diese oder jene Reli­gion oder Ideo­lo­gie befol­gend, wir alle sind nur mensch­li­che Wesen; wir alle wün­schen uns Glück und nicht Leid. Einige Regie­run­gen haben geäus­sert, dass der Stan­dard der Men­schen­rechte, wie er in der Uni­ver­sel­len Erklä­rung fest­ge­legt wurde, jener des Wes­tens und somit nicht auf Asien oder andere Teile der Drit­ten Welt über­trag­bar sei, infolge der Unter­schiede in kul­tu­rel­ler, sozia­ler und ökono­mi­scher Ent­wick­lung. Ich teile diese Ansicht nicht und bin über­zeugt, dass die Mehr­heit der gewöhn­li­chen Men­schen diese Ansicht auch nicht teilt. Ich glaube, dass die Prin­zi­pien, die in der Uni­ver­sel­len Erklä­rung der Men­schen­rechte fest­ge­hal­ten wur­den, so etwas wie ein natür­li­ches Gesetz bedeu­ten, das von allen Völ­kern und Regie­run­gen befolgt wer­den sollte. Die zuneh­mende, weite Betrof­fen­heit für die Ver­let­zung von Men­schen­rech­ten – sei dies in Tibet oder irgend einem ande­ren Teil der Erde – ermu­tigt mich. Über­all auf der Welt begin­nen Mit­men­schen, die grosse Wich­tig­keit und den Wert der Men­schen­rechte zu rea­li­sie­ren. Dies eröff­net nicht nur die Aus­sicht auf Ver­bes­se­rung für viele lei­dende Indi­vi­duen, son­dern es ist auch ein Indi­ka­tor für den Fort­schritt und die Ent­wick­lung der Mensch­heit. Ich glaube, dass die Betrof­fen­heit für Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen und die Erfolge im Bestre­ben, diese Rechte zu schüt­zen, einen gros­sen Dienst für die gegen­wär­tige und kom­mende Gene­ra­tio­nen leis­tet. Jetzt, wo wir nur noch ein Jahr vor dem Wech­sel in 21. Jahr­hun­dert ste­hen, sehen wir, wie die Welt lang­sam zu einer glo­ba­len Fami­lie wächst. Wir kom­men uns näher durch die gros­sen Fort­schritte in Wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie, der Infor­ma­ti­onsausch­tausch wird ein­fa­cher und schnel­ler; aber auf der ande­ren Seite ste­hen Über­be­völ­ke­rung, schwin­dende natür­li­che Res­sour­cen und die Umwelt­pro­bleme, die das Fun­da­ment unse­rer Exis­tenz auf die­sem Pla­ne­ten gefähr­den. Men­schen­rechte, Umwelt­schutz, soziale und ökono­mi­sche Gleich­heit ste­hen alle in engem Zusam­men­hang. Zu all die­sen The­men, glaube ich, bil­det glo­bale Ver­ant­wor­tung den Schlüs­sel zum Über­le­ben der Mensch­heit und Fort­schritt. Glo­bale Ver­ant­wor­tung ist das beste Fun­da­ment für Welt­frie­den und prak­ti­zierte Men­schen­rechte, für eine poli­ti­sche Kul­tur der Gewalt­frei­heit und des Dia­lo­ges im Bezug auf die Lösung mensch­li­cher Konflikte. Abschlies­send möchte ich die Gele­gen­heit wahr­neh­men, mein Lob, meine Wert­schät­zung und mei­nen Respekt all den Ver­fech­te­rin­nen und Ver­fech­tern der Men­schen­rechte über­all in der Welt aus­zu­drü­cken. Diese Leute tra­gen viel zur Ver­bes­se­rung der Lebens­um­stände bei, indem sie die Ver­let­zun­gen doku­men­tie­ren und daran arbei­ten, sie zu lin­dern. Ich betrachte die Arbeit für Men­schen­rechte oder Akti­vis­mus als eine Art spi­ri­tu­el­ler Pra­xis. Indem jene Men­schen ver­tei­digt wer­den, die auf­grund ihrer Rasse, Reli­gion, Eth­nie oder Ideo­lo­gie ver­folgt wer­den, tra­gen sie dazu bei, unsere Men­schen­fa­mi­lie zu Frie­den, Gerech­tig­keit und Würde hin zu führen.” Dha­ram­sala, 7. Dezem­ber 1998 S.H. der 14. Dalai Lama

Die Menschenrechtslage in Tibet ist seit langem äußerst beunruhigend, da selbst die grundlegenden Menschenrechte der Tibeterinnen und Tibeter nicht geachtet werden. Insbesondere seit den Aufständen im März 2008 hat sich die Situation noch verschärft.

 

Die Menschenrechte in Tibet werden systematisch und umfassend verletzt. Die Situation hat sich seit den Protesten im März 2008 nochmals massiv  verschlechtert. Augenzeugen berichten ICT insbesondere Menschenrechtsverletzungen in der Religionsausübung, der freien Meinungsäusserung und der Folter. Der aktuelle ICT-Bericht "Tibet at a Turning Point" (Englisch) stellt die Menschenrechtslage in Tibet nach den Unruhen im Frühjahr 2008 dar. Der Bericht geht insbesondere auf die Situation der politischen Gefangenen ein. Sein Nachfolgebericht "A Great Mountain Burned by Fire" vom März 2009 liefert weitere Informationen über die Menschenrechtslage in Tibet.

Rede von Kelsang Gyaltsen, Gesandter S. H. des  Dalai Lama im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages, Berlin, 8. Februar  2012 

Herr Vor­sit­zen­der, sehr ver­ehrte Damen und  Herren,

ich danke Ihnen viel­mals für die Mög­lich­keit, heute zu  Ihnen über die gegen­wär­tige, dra­ma­ti­sche Situa­tion in Tibet spre­chen zu kön­nen.  Diese Mög­lich­keit bedeu­tet mir viel und ist sehr wich­tig für mich als Tibe­ter,  der im Exil in der Frei­heit lebt. Denn die Tra­gö­die, die sich zur­zeit in Tibet  abspielt, kann ich als ein in Europa leben­der Tibe­ter nur fas­sungs­los und mit  einem Gefühl der tie­fen Ohn­macht verfolgen.

Religionsfreiheit in Tibet

Glaubens- und Religionsfreiheit und die freie Religionsausübung unterliegen in Tibet massiven und systematischen Einschränkungen. Geistliche und Gläubige des tibetischen Buddhismus werden an ihrer freien Religionsausübung gehindert.  Weiterlesen>>>

Folter in Tibet


Mehr über politische Gefangene: Tibetische politische Gefangene werden besonders am Anfang ihrer Haftzeit häufig von Sicherheitsbeamten gefoltert. Die chinesische Regierung versucht auf diese Weise, Druck auf regimekritische Personen auszuüben. Einige sterben aufgrund der Misshandlungen in ihren Zellen, andere verlassen die Gefängnisse körperlich und seelisch verkrüppelt.

Folter in Tibet - systematisch und weitverbreitet: Obwohl die Volksrepublik China bereits im Jahre 1988 das internationale "Übereinkommen gegen Folter und andere grausame,   Weiterlesen>>

Persönlichkeits- und Freiheitsrechte


Die Persönlichkeitsrechte garantieren das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Sie umfassen außerdem den Schutz vor Folter, vor willkürlicher Festnahme und vor willkürlichen Eingriffen ins Privatleben. Die Freiheitsrechte geben jedem Menschen das Recht sich frei zu bewegen, das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit sowie das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung.. Weiterlesen>>>

Recht auf Bildung


Das Recht auf Bildung ist ein kulturelles Menschenrecht, das jedem Menschen das Recht auf eine freie grundlegende Bildung zuspricht, durch die die Chancengleichheit und die Verwirklichung anderer Menschenrechte gefördert werden. Sehr viele Tibeterinnnen und Tibeter sind jedoch nicht in der Lage, dieses Menschenrecht wahrzunehmen. Insbesondere in ländlichen Gebieten Tibets gibt es zu wenige Schulen. Durch die großen Entfernungen ist es tibetischen Kindern häufig nicht möglich, die Grundschule zu besuchen. Auch die hohen Schulgelder verwehren vielen den Zugang zu einer grundlegenden Bildung. Zudem sind die Lehrpläne nach den ideologischen Interessen der KP ausgerichtet. Trotz des enormen Wirtschaftswachstums in China wurde in Tibet kaum in die Bildung investiert. Infolgedessen ist dort die Zahl der Analphabeten besonders hoch. Sie liegt bei etwa 50 Prozent. Viele Eltern schicken ihre Kinder ins indische Exil auf tibetische Schulen, um ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Dies ist jedoch mit großen Risiken verbunden.

Tibet 2008: Video der chinesischen Polizei


Am 7. Dezember 2011 veröffentlichte die Tibetische Regierung im Exil (CTA) ein Polizei-Video, das eine morgendliche Razzia in der tibetischen Gemeinde Dhoti (chin. Duodi), ungefähr 10km nördlich von Lhasa, zeigen soll. Das Video entstand laut Angaben der Exilregierung ebenfalls im Jahr 2008, konnte aber erst vor kurzem aus Tibet herausgeschmuggelt werden. In dem etwa 22-minütigen Video wird die Unverhältnismäßigkeit des Vorgehens der chinesischen Sicherheitskräfte auf erschreckende Weise deutlich. Soldaten und Beamte des Amtes für Öffentliche Sicherheit, der bewaffneten Volkspolizei und des Sondereinsatzkommandos der bewaffneten Volkspolizei dringen am frühen Morgen, bewaffnet mit Maschinengewehren und in schwerer Nahkampfausrüstung, in die Häuser tibetischer Bauern und einfacher Leute ein und ziehen sie zu einer ersten Befragung auf die Straße. Über das weitere Schicksal der in dem Video gezeigten Tibeter ist nichts bekannt.

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