Chinesische Brutalität: Videoclip zeigt, wie Polizei auf einen brennenden Tibeter einschlägt

Die in China herrschende Unmenschlichkeit und die völlige Mißachtung gegenüber dem Leben der Tibeter werden in einem 45 Sekunden langen Videoclip, der kürzlich von ICT veröffentlicht wurde, überaus deutlich (1).


Die dramatischen Szenen zeigen, wie chinesisches Sicherheitspersonal erbarmungslos einen Tibeter, der sich selbst angezündet hat, zu Boden wirft und mißhandelt, während sein Körper noch in Flammen steht. Es gab schon ähnliche Berichte, wo die Sicherheitskräfte Tibeter, die sich selbst verbrannten, brutal geschlagen und verstümmelt haben.Die Aufnahmen entstanden am 14. Januar in Ngaba und dokumentieren den Selbstverbrennungs-Protest von Lobsang Jamyang, 22, einem ehemaligen Mönch des Klosters Andu in Ngaba (2).

Auf seinen feurigen Protest hin kam es zu einer größeren Demonstration, die Polizei schoß in die Menge, wobei eine Reihe von Tibetern verletzt wurde – einige sehr schwer, wie etwa eine Frau, die das Augenlicht verlor, und ein Mann, der durch eine Eisenstange am Hals gefährlich verwundet wurde.

Lobsang Jamyang, der sich um die Förderung der tibetischen Sprache in seinem Heimatdorf verdient gemacht hatte, übergoß sich in der Stadt Ngaba in einer öffentlichen Toilette mit Benzin, trat heraus und setzte sich in Brand. Brennend lief er die Straße entlang und rief Parolen für ein langes Leben des Dalai Lama und Freiheit in Tibet.

Zu Anfang scheint es, als seien die Flammen an Lobsang Jamyangs Körper erloschen, während die bewaffnete Polizei und einige Tibeter um ihn herum stehen. Nach ein paar Sekunden hört man, wie Tränengas abgefeuert wird, um die Menge zu zerstreuen. Später schoß die Polizei sogar auf die Leute, aber der Videoclip endet vorher. 

Plötzlich lodert das Feuer von Lobsang Jamyangs Körper wieder auf. In Flammen gehüllt steht er auf und springt herum, während die daneben Stehenden schreien und kreischen. Man hört die Stimme eines Tibeters, der ein Stoßgebet an den Dalai Lama und den Beschützer des Klosters Kirti richtet: „Gyalwang Tenzin Gyatso! Gyalchen Dorje Hwaltsal!“

Dann sieht man, wie die bewaffnete Polizei herbeistürzt, ein paar Sekunden später wirft ein Polizist Lobsang Jamyang mit Hilfe eines Handkarrens zu Boden, und von beiden Seiten versetzen sie ihm Fußtritte, ehe sie die Flammen endgültig löschen. 

Warum Lobsang Jamyangs Körper zum zweiten Mal aufloderte, ist nicht ganz klar. Vielleicht hatte er Benzin getrunken und benzingetränkte Kleider getragen, und das Feuer war zunächst schwächer geworden, aber noch nicht ganz erloschen.

Empört über das, was sie soeben gesehen hatten, umstellen ihn mehrere Tibeter und versuchen, die Sicherheitskräfte daran zu hindern, ihn wegzubringen. Und da enden die Aufnahmen ganz plötzlich.

Nach Aussage des Exilklosters Kirti in Dharamsala reagierte das chinesische Sicherheitspersonal, indem es die Leute festnahm und wahllos mit nägelbesetzten Keulen auf sie schlug und sogar in die Menge schoß. 

Lobsang Jamyang verschied am 16. Januar in Barkham. Seine Verwandten im Exil berichten, die Polizei habe nachträglich seine Familie aufgesucht und gefordert, daß sie für den durch das Feuer entstandenen Schaden an den Polizeiuniformen aufkomme, weil diese „Staatseigentum“ seien.

 

„Dies ist nicht das erste Mal, daß die chinesische Polizei mit Gewalt gegen die Selbstverbrenner vorging“, sagte Lobsang Yeshi, ein Mitglied des Exilparlaments. „Auf Pawo Tabey schossen sie und auf andere droschen sie erbarmungslos ein, während sie vorgaben, die Flammen zu löschen. Dieser Vidoeclip wirft ein Licht auf die dunkle Zeit der unzivilisierten und barbarischen Herrschaft Chinas über Tibet“.

Opfer der jüngsten Selbstverbrennung stirbt - Verletzte Tibeter vermeiden Krankhäuser aus Angst vor Festnahme

www.phayul.com:  18. Januar 2012: 

Allmählich wird mehr über den Tibeter bekannt, der sich am 14. Januar in der belagerten Region Ngaba in Brand setzte, was zu öffentlichen Demonstrationen und Schüssen der Polizei in die Menge führte.


Er wurde als der 22jährige Lobsang Jamyang identifiziert, ein früherer Mönch, aus der Gyatsotsang Familie im Dorf Shewa in der Gegend Andu von Ngaba.

Das Exilkloster Kirti in Dharamsala gab gestern in einer Erklärung bekannt, daß Lobsang Jamyang in einer Vereinigung für die Förderung der tibetischen Sprache eine führende Rolle gespielt habe, was ihm die Verfolgung durch die Behörden einbrachte. Am 14. Januar um etwa 13.30 h Ortszeit begoß sich Lobsang Jamyang in einem öffentlichen Toilettenhäuschen an einer Straßenkreuzung der Stadt Ngaba mit Benzin und zündete sich an. Dann lief er auf die Straße hinaus und rief Parolen für ein langes Leben des Dalai Lama und forderte Freiheit für Tibet.

„Soldaten und Polizei, die dort patrouillierten, schlugen ihn mit nägelgespickten Keulen, statt die Flammen zu löschen, warfen dann ein weißes Tuch über ihn und trampelten auf ihm herum“, heißt es in der Erklärung.

„Die Tibeter an dem Schauplatz, die den Anblick nicht ertragen konnten, erhoben sich gegen das bewaffnete Sicherheitspersonal, ohne an ihr eigenes Leben zu denken. Sie schrien, daß der Körper ihnen überlassen werden sollte, und versuchten den Weg der Sicherheitskräfte, die ihn wegschaffen wollten, zu 
blockieren.“

Das chinesische Sicherheitspersonal drosch mit gespickten Keulen wie wild auf die Leute ein und feuerte sogar Schüsse auf die Menge ab. Dutzende von Tibetern wurden verletzt und geblendet.


Als Resultat wurde Choki Dawa aus dem Haushalt Gatsang in der Gemeinde Meuruma in kritischer Verfassung ins Krankenhaus eingeliefert, ihre Chancen zu überleben werden als gering beurteilt. Auch zwei Jugendliche trugen ernste Verletzungen davon und eine Frau wurde auf einem Auge geblendet, zwei andere wurden durch die von dem Sicherheitspersonal abgegebenen Schüsse verletzt.

Augenzeugen beschrieben die Szenen als fürchterlich, daß nämlich die Leute „gnadenlos geschlagen wurden“. Über die Zahl und Identität der Festgenommenen gibt es keine Informationen.

Wie Kanyag Tsering, ein Mönch im Exil mit engen Kontakten zu der Gegend, mitteilte, lassen sich die Verletzen aus Furcht vor der Festnahme nicht im Krankenhaus behandeln.

„Die Folgen der Behandlung wären viel schlimmer als die Verletzung selbst, wenn nämlich die Sicherheitskräfte die Patienten unter der Anklage der Teilnahme an den Protestaktionen festnehmen“, fuhr Kanyag fort. „Deshalb vermeiden viele verletzte Tibeter, ein Krankenhaus aufzusuchen.“

Infolge der schrecklichen Schläge erlag Lobsang Jamyang seinen Verletzungen in Barkham, vermutlich am Montag, den 16. Januar. Ob sein Körper seiner Familie ausgehändigt wurde, ist unbekannt.

Die Sicherheitskräfte sind in Alarmbereitschaft, und die Behörden bringen überall Schilder an, um die dort ansässigen Tibeter einzuschüchtern. Dennoch erschienen in der Region Flugblätter mit der Aufforderung an die Tibeter, bei dem bevorstehenden tibetischen Neujahr als Zeichen der öffentlichen Trauer „keine besonderen Speisen“ zu essen und „alte Kleider“ zu tragen. 

Seit Tapeys Selbstverbrennung 2009 haben 17 Tibeter, Nonnen, Mönche und Laien, ihren Körper in Brand gesetzt und für die Freiheit in Tibet und die Rückkehr des Dalai Lama aus dem Exil demonstriert. Ngaba ist ein Brennpunkt der feurigen Welle von Selbstverbrennungen mit 11 Personen, die sich im Verlauf von 11 Monaten anzündeten.

 

Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching