Schüsse auf Tibeter nach 17. Selbstverbrennung

14. Januar 2011 www.tibet.net: Wie soeben bekannt wurde, verbrannte sich heute ein weiterer Tibeter im Bezirk Ngaba, Provinz Sichuan. Die Ortspolizei bemächtigte sich sofort seines Körpers, woraufhin etwa 700 Ortsansässige die Polizeistation bedrängten und die Herausgabe des Körpers forderten. Auf die Weigerung der Polizei hin kam es zu einem Zusammenprall, bei dem eine ältere Tibeterin von der chinesischen Polizei 

erschossen wurde. 


Die Zentraltibetische Verwaltung (CTA) verurteilt den Einsatz von Gewalt gegen Zivilpersonen und appelliert an die internationale Gemeinschaft, einzuschreiten, damit die chinesische Regierung von ihrem gewaltsamen Vorgehen ablasse. Außerdem bittet sie die internationale Gemeinschaft, die Vereinten Nationen und liberal gesinnte chinesische Intellektuelle, Beobachter zu entsenden, um die Lage vor Ort 

zu beurteilen.

Die Volksrepublik China ist voll für diese Selbstverbrennungen verantwortlich zu machen. Es steht in ihrer Macht, durch die Annahme einer liberalen Politik gegenüber Tibet und dem tibetischen Volk diesen bedauerlichen Vorfällen ein Ende zu setzen.

Zusatz von Free Tibet, www.freetibet.org: Ein weiterer Tibeter verbrannte sich heute in Ngaba, und es wird von massiven Zusammenstößen zwischen chinesischen Sicherheitskräften und den dortigen Tibetern berichtet, auch die Mönche im Kloster Kirti seien daran beteiligt. Mindestens eine Frau wurde erschossen, und unbestätigten Berichten zufolge wurden sogar viele Personen von Kugeln getroffen. 

 

Ein Augenzeuge beschrieb die Lage als fürchterlich, ein sehr „starkes Gas“ sei gegen die Menge eingesetzt worden, so daß „viele zu Boden fielen“. 

Kontakt: Thubten Samphel, Sprecher der CTA: +91 98050 24662,

Lobsang Choedak, Pressesprecher: +91 72779 3866

Zusatz von Tibetan Review, www.tibetanreview.net 

 

Tibetischer Dorfbewohner von Polizei erschossen: Ortsansässige greifen chinesische Polizeistation an


12. Januar 2012 : Zahlreiche tibetische Dorfbewohner wurden bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei am 9. Januar verletzt und festgenommen. Am Vortag erschossen Sicherheitskräfte einen Tibeter, den sie verdächtigten, Zelte von einer umstrittenen Baustelle im Bezirk Labrang (chin. Xiahe), Provinz Gansu, gestohlen zu haben. Radio Free Asia berichtete, der Tod des Tibeters Gurgo Tseten, 35, habe zu einem Aufbegehren der Ortsansässigen geführt, die in die chinesische Polizeistation in der Gemeinde Achog Ngago eindrangen.

Das Aufgebot an Sicherheitskräften wurde sofort verstärkt und 22 Polizeifahrzeuge trafen ein, nachdem alle Polizisten vor Ort in die Zentrale geflohen waren. Die paramilitärischen Kräfte setzten Tränengas ein, um die 
protestierenden Tibeter auseinanderzutreiben. Viele wurden dabei verletzt und festgenommen. Es sollen auch einige Polizisten verletzt und zwei oder drei ihrer Fahrzeuge angezündet worden sein. Eine weitere Einheit der bewaffneten Polizei umstellt inzwischen die Ortschaft Ngago.

Einer anonymen tibetischen Quelle zufolge kamen chinesische Sicherheitsbeamte in der Nacht des 8. Januar in die Gemeinde Nanba in Labrang Achog und gingen zu Gonpo Kyabs Haus, bei dem gerade ein anderer Tibeter, Gurgo Tseten, zu Besuch weilte. Während sie das Haus durchsuchten, gab ein Polizist durch ein Fenster einen Schuß ab, der Gurgo Tseten auf der Stelle tötete. Gonpo Kyab nahmen sie in Gewahrsam. Warum sie Gurgo Tseten gleich erschossen, anstatt ihn ebenfalls festzunehmen, ist nicht klar.

Es heißt, die Chinesen hätten diese zwei Männer verfolgt, obwohl andere Dorfbewohner genügend Beweismaterial beigebracht hatten, daß die beiden mit dem Verschwinden von den zwei Zelten nichts zu tun haben. Die Zelte befanden sich an einer Baustelle für eine Flugpiste, die die Behörden trotz des Widerstandes der Einheimischen, denen der Ort am Amnye Gong Ngo Berg heilig ist, anlegen. Die ortsansässigen Tibeter in Achog protestierten mehrfach gegen dieses Vorhaben. Sie befürchten, daß sie ihre Häuser verlieren und der 
Flugplatz nur der Vorposten für die Anlage einer neuen Stadt ist.

Die dort ansässigen Tibeter waren schon vorher wegen eines Vorfalls im Dezember aufgebracht, als nämlich ein junger Tibeter, der zum Kloster Labrang reisen wollte, aus Mangel an medizinischer Versorgung im Polizeigewahrsam starb. Die Polizei hatte ihn angehalten, als er mit seinem Motorrad nach Labrang unterwegs war. „Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, die Polizei schlug ihn und nahm ihn in Gewahrsam; verweigerte ihm aber die ärztliche Behandlung. So starb er an seinen Verletzungen (1).

Tibetischer politischer Gefangener erliegt den Folgen der Folter


Einer Information aus Tibet zufolge verstarb Norlha Ashagtsang am 27. Dezember im Alter von 49 Jahren in Lhasa. Er stammt aus der Ortschaft Pemashang im Bezirk Jomda, TAR. 

Norlha wurde am 27. Juni 2009 zusammen mit seinem Freund Gonpo Dhargyal festgenommen, als sie gegen die Festnahme zweier Tibeter, Gyurmey Gonpo und Gyatsang Dorje, protestierten, die sich an einer Bewegung beteiligt hatten, die zur Nichtkooperation mit den Chinesen in der Region aufrief. Sie wurden von der PAP und der Ortspolizei schwer geschlagen und später nach Chamdo gebracht, und nach Aussage von Geshe Monlam Tharchin, einem Mitglied des tibetischen Parlaments-im-Exil, zu „sechs bzw. fünf Jahren Gefängnis verurteilt“ (1).

Im Gefängnis wurde Norlha wiederholt dermaßen heftig gefoltert, daß er schwer erkrankte, weshalb er 2011 aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde. Selbst nach wiederholter medizinischer Behandlung besserte sich sein Zustand nicht mehr und er starb in einem Krankenhaus in Lhasa. 


Sein Freund Gonpo Dhargyal wurde etwa um dieselbe Zeit wie Norlha entlassen, ebenfalls aus medizinischen Gründen. „Dhargyal befindet sich derzeit in Behandlung, aber sein gesamter Unterkörper ist gelähmt“.

Weiter verlautet, daß auch der politische Gefangene Bulug, der 2009 festgenommen wurde, im März 2011 den Folgen der schweren, in der Gefangenschaft erlittenen Verletzungen, erlegen sei.


Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision: Angelika Mensching